Hospiz und Hospizdienst

Hospiz und Hospizdienst
Hospiz und Hospizdienste

Selbstbestimmt leben bis zum Schluss

Die ungefähre Lesezeit beträgt 15 Minuten.

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Wenn jemand schwer krank ist und klar ist, dass er diese Diagnose nicht überleben wird, dann bleiben mehrere Optionen: Entweder, derjenige harrt in seinem gewohnten Umfeld allein der Dinge, die da kommen, er kommt auf die Palliativstation im Krankenhaus oder aber er begibt sich in die Hände der Mitarbeitenden eines der 260 Hospize, die es in Deutschland laut dem Deutschen Hospiz- und Palliativverband (DHPV) mittlerweile gibt. Ambulante Dienste, die ihre Mitarbeitenden in Pflegeheime und Krankenhäuser sowie zu ihnen nach Hause aussenden, komplettieren das Angebot. Palliativdienste unterstützen sie.

Inhaltsverzeichnis

Familiäres Umfeld abseits der eigenen vier Wände

Bei Hospizen handelt es sich um stationäre Einrichtungen, die sich vor Ort primär darum kümmern, dass der schwerkranke Gast in seiner letzten Lebensphase pflegerisch und medizinisch gut versorgt wird. „In der Regel sind es kleine Einrichtungen mit familiärem Charakter mit acht bis sechzehn Plätzen“, erklärt der Verband der Ersatzkassen (Vdek) online. Die Betreuung kann demnach voll- sowie teilstationär erfolgen. Letzteres sieht dem DHPV zufolge so aus: „Einmal oder mehrmals pro Woche können unheilbar erkrankte Menschen ins Tageshospiz kommen, lindernde Therapien erhalten, Kraft tanken und trotz schwerer Krankheit am sozialen Leben teilhaben.“ Das entlastet die Angehörigen zu Hause. Allerdings gibt es wohl noch nicht so viele Einrichtungen in Deutschland, die so funktionieren. Weiter verbreitet ist die vollstationäre Variante. Dort bietet sich manchmal allerdings auch die Möglichkeit, zeitweise mit der gesamten Familie unterzukommen (Text Andreas-Hospiz).

Zu Hause bis zum Schluss

Die Dienste ambulanter Hospizvereine kommen denjenigen zugute, die ihre letzten Tage zu Hause, in ihrem gewohnten Umfeld verbringen möchten. Die Mitarbeitenden der Vereine sind dafür ausgebildet, ihren Klienten ein möglichst selbstbestimmtes Leben und würdevolles Sterben zu ermöglichen. Je nach den Bedürfnissen des Betreffenden besuchen qualifizierte Ehrenamtliche ihn, reden mit ihm über das, was ihn gerade beschäftigt – das kann auch das Sterben sein –, erfüllen ihm letzte Wünsche und steigern so seine Lebensqualität, lässt sich einem Artikel des DHPV entnehmen. Die Mitarbeitenden helfen demnach auch dabei, Kommunikationsschwierigkeiten innerhalb des engsten Kreises zu überwinden. Schließlich befinden sich alle in einem emotionalen Ausnahmezustand und nicht jedem Menschen fällt es leicht, über das eigene Ableben oder das einer nahestehenden Person zu sprechen. Die ausgebildeten Sterbebegleiter entlasten Familien durch ihre Besuche. Trauerbegleiter fangen sie im Anschluss an den Tod des Angehörigen emotional auf. Oft bieten Hospizvereine zudem Trauergruppen an, in denen sich Betroffene austauschen können.

Medikamente gegen Schmerzen, nicht mehr gegen Krankheit

In der Regel sind auch Palliativmediziner in die Betreuung schwerstkranker Personen involviert. Sie verabreichen schmerzlindernde Medikamente und kümmern sich darum, dass die Betreffenden sich weder erbrechen müssen, noch an Atemnot leiden. Ein weiterer Aspekt, der dem betreffenden Menschen seine letzten Tage so angenehm wie möglich machen sollen. Um die Behandlung von Krankheiten geht es an dieser Stelle nicht mehr.

Während es mittlerweile 1500 ambulant agierende Vereine und Gruppen deutschlandweit gibt, sind stationäre Hospize mit 260 eingangs erwähnten Häusern viel rarer gesät (DHPV, 2023). Rein rechnerisch fallen also auf jeden der 400 Landkreise beziehungsweise jede kreisfreie Stadt plus die Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin knapp vier Hospizvereine. In gut jedem zweiten gibt es eine stationäre Einrichtung.

Kinderhospize und ihr leicht anderes Konzept

Zusätzlich zu den Hospizen und Diensten für Erwachsene gibt es welche für Kinder, Jugendliche sowie junge Menschen: insgesamt 19 Stück in der Bundesrepublik (DHPV). Kinderhospizen liegt ein etwas anderes Konzept zugrunde als den Einrichtungen für Erwachsene. Denn während letztere erst am Lebensende einer Person zum Tragen kommen, sind die Häuser für junge Menschen auch darauf ausgelegt, Familien mit schwerkranken Kindern immer mal wieder Aufenthalte zum Durchatmen zu ermöglichen. Sie können sich dort Auszeiten vom Alltag nehmen, Eltern können sich mit anderen Eltern austauschen und werden bei der Pflege entlastet. „Rund um die Uhr werden die Kinder und Jugendlichen von erfahrenen Kranken- und Kinderkrankenpflegekräften sowie dem psychosozialen Team betreut und versorgt“, erklärt das Kinder- und Jugendhospiz Balthasar Olpe auf seiner Internetseite. Brüder und Schwestern des betroffenen Kindes müssen während dieser Zeit keinesfalls zurückstecken: „Geschwister erleben das Zusammensein mit dem erkrankten Kind oft als belastende Zeit. Sie müssen Rücksicht nehmen, mit Einschränkungen leben und werden früh mit dem Thema Tod konfrontiert. Mitarbeitende im Kinder- und Jugendhospiz Balthasar sind auch speziell für die Geschwister da, gestalten für sie entsprechende, altersgerechte Angebote und geben ihnen die Gelegenheit, neben Sorgen und Ängsten auch Spaß und Freude zu erleben“ (Balthasar-Hospiz).

Herkunft des Wortes Hospiz

Das Wort Hospiz stammt von dem lateinischen Hospitium ab, was so viel wie „Herberge“ oder auch „Gastfreundschaft“ bedeutet (Wikipedia). Ursprünglich wurden laut Duden-Definition die Häuser Hospiz genannt, die sich unweit eines Klosters befanden und vorrangig Pilgern eine Übernachtungsmöglichkeit boten. Die moderne Hospizbewegung nahm dann laut DHPV im Jahr 1967 mit dem St. Christopher’s Hospice in London ihren Anfang.

Einigen generellen Informationen sowie den markierten Zitaten liegen folgende Quellen zugrunde:

Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe mbH (Link), Stand: 12. Dezember 2023.

Deutscher Hospiz- und PalliativVerband e.V. „Ambulante Hospizarbeit“ (Link), Stand: 12. Dezember 2023.

mission:lebenshaus gGmbH (Link), Stand: 12. Dezember 2023.

Deutscher Hospiz- und PalliativVerband e.V. „Zahlen zur Hospiz- und Palliativarbeit “ (Link), Stand: 11. Dezember 2023.

beta Institut gemeinnützige GmbH „Palliativstationen“ (Link), Stand: 11. Dezember 2023.

Verband der Ersatzkassen e. V. „Hospiz“ (Link), Stand: 11. Dezember 2023.

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Juliane Klug

Juliane Klug

Als Redakteurin liebt es Juliane, in immer neue Themen einzutauchen. Wenn sie anderen Menschen komplexe Dinge verständlich näherbringen kann, ist sie in ihrem Element. Seit dem Frühjahr 2022 sorgt Juliane im Marketing-Team von Citycare24 für Content.

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