Inkontinenz-Arten

Inkontinenz-Arten

Inkontinenz – wenn die Beziehung zu Blase und Darm kompliziert ist

Die ungefähre Lesezeit beträgt 10 Minuten.

Sie ist der Zwischenspeicher für den flüssigen Abfall, der den Körper verlassen soll. Er nimmt Nährstoffe aus der Nahrung auf und kümmert sich um die Entsorgung unverdauter Feststoffe. Das klingt erst einmal so, als müsste jeder Mensch seiner Blase und seinem Darm gegenüber per se positiv eingestellt sein. Doch nicht alle haben ein ungetrübtes Verhältnis zu den beiden Organen, die so wichtige Aufgaben im menschlichen Organismus übernehmen. Zum Beispiel diejenigen Männer und Frauen, die sie nicht komplett oder gar nicht kontrollieren können. Der Deutschen Kontinenz-Gesellschaft zufolge betrifft das allein in Deutschland mehr als neun Millionen Menschen. Sie alle verlieren – ohne, dass sie das wollen – Stuhl, Harn oder beides und sind demnach inkontinent.

Doch inkontinent ist nicht gleich inkontinent. Sowohl bei der Ausprägung als auch bei den Ursachen gibt es große Unterschiede. Der folgende Text beschreibt die häufigsten Formen und Behandlungsoptionen. Den Anfang macht die Blasenschwäche. Hierbei unterteilen Fachleute meist in Belastungs, Drang-, Misch- sowie Überlaufinktontinenz.

 

Inhaltsverzeichnis
Inkontinenz-Arten

Blasenschwäche

Den Anfang macht die Blasenschwäche. Hierbei unterteilen Fachleute meist in Belastungs, Drang-, Misch- sowie Überlaufinktontinenz.

Dranginkontinenz

Frauen und Männer, die von Dranginkontinenz betroffen sind, erleben schwallartigen „Urinverlust, der mit plötzlich auftretendem, nur schwer unterdrückbarem Harndrang einhergeht“ („Expertenstandard“, Seite 48). Weil sie das abrupt einsetzende Gefühl, auf die Toilette zu müssen und keine Kontrolle mehr über ihren Körperteil zu haben, überfällt, ist die Dranginkontinenz auch als Syndrom der überaktiven Blase bekannt.

Als Auslöser gelten ein instabiler Blasenmuskel, Tumore, aber auch Blasenentzündungen. Die Symptome sind medikamentös behandelbar. Auch Botox kann zum Einsatz kommen.

Belastungsinkontinenz

Insbesondere Frauen trifft die Belastungsinkontinenz, die früher auch als Stressinkontinenz bezeichnet wurde. Sie äußert sich derart, dass den Betroffenen Urinspritzer entwischen, während sie etwas Schweres heben oder tragen, husten, niesen oder auch lachen müssen. Sowohl hormonelle Umstellungen wie die Wechseljahre als auch Schwangerschaften und Geburten haben die Muskulatur des Beckenbodens zuvor geschwächt. Oft merken die Frauen erst zeitverzögert etwas davon: „Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten einer Inkontinenz in der Schwangerschaft und in späteren Jahren, selbst dann, wenn die Harninkontinenz nur eine vorübergehende Erscheinung während der Schwangerschaft war“ (Ian Milsom et all im „Expertenstandard“, Seite 50). Das Gewebe hält dem Druck nicht mehr so gut stand.

Auch wenn sie weitaus mehr Frauen betrifft, so sind auch Männer vor einer Dranginkontinenz nicht gefeit. Bei ihnen kann sie beispielsweise nach einer Operation an der Prostata auftreten.

Um der Inkontinenz effektiv entgegenzuwirken, hilft es, den Beckenboden zu trainieren – Männern und auch Frauen. Zudem gibt es Menschen, denen Pessare (nur für Frauen) weiterhelfen, Medikamente und auch operative Ansätze.

Mischinkontinenz

Diese Form der Blasenschwäche ist schnell erklärt: Hierbei hat es die oder der Betroffene mit einer Kombination aus Drang- und Belastungsinkontinenz zu tun. Sie kann bei Männern beispielsweise auftreten, wenn bei einer OP der Schließmuskel verletzt worden ist.

Auch bei einer Mischinkontinenz können Medikamente unter Umständen die Lage des jeweiligen Mannes oder der jeweiligen Frau verbessern. Dabei kommt es allerdings auf die Ursache an. Weitere Maßnahmen sind unterpolsternde Substanzen, die in den Körper eingebracht werden, oder sogar ein künstlicher Schließmuskel (Broschüre „Harn- und Stuhlinkontinenz“, Seite 8). Ihr Arzt berät Sie sicher gern zu Ihren individuellen Möglichkeiten.

Überlaufinkontinenz

Menschen die ihre Blase nicht vollständig entleeren können, sind womöglich von einer Überlaufinkontinenz betroffen. Grund hierfür kann eine von Harnsteinen oder einem Tumor blockierte Harnröhre sein. Aber auch eine schwache Blasenmuskulatur oder eine gutartig vergrößerte Prostata können das Organ zum Überlaufen bringen. Männer betrifft diese Art der Inkontinenz darum öfter als Frauen. „Die Behandlung erfolgt in Abhängigkeit von der zugrunde liegenden Erkrankung. Nur ein Facharzt kann die Diagnostik und Therapie der Überlaufinkontinenz durchführen.“ (Broschüre Harn- und Stuhlinkontinenz, Seite 9)

Neben diesen vier ausführlich beschriebenen Arten von Blasenschwäche gibt es weitere: etwa verschiedene  Reflexinkontinenzformen, die extraurethrale Inkontinenz (hierbei wird Urin im Körper fehlgeleitet), Enuresis (meint das nächtliche Einnässen insbesondere von Kindern) sowie auch Nykturie (wenn Erwachsene in der Nacht häufig Wasser lassen müssen). Diese Inkontinenz-Arten sollen hier der Vollständigkeit halber erwähnt sein. Thematisch behandeln werden wir sie an dieser Stelle allerdings nicht – zumindest vorerst.

Stuhlinkontinenz

Während die verschiedenen Formen der Harninkontinenz nach den Auslösern und körperlichen Voraussetzungen für die Symptome unterschieden werden, wird die Darmschwäche anhand der Ausscheidungen in Schweregrade unterteilt. Dem Online-Pschyrembel zufolge sprechen Experten vom 1. Grad, wenn der oder die Betroffene nach körperlichen Belastungen und bei Durchfall verschmierte Unterwäsche hat. Eine mittelschwere Darmschwäche äußert sich demnach in Winden und dünnem Stuhl. Bei Grad 3 hat er oder sie keinerlei Kontrolle mehr über das Verdauungsorgan und komplette Darm-Entleerungen erfolgen ohne, dass Betroffene es verhindern können

Ursachen für Darmschwäche

Darm-Erkrankungen, Übergewicht, ein schlaffer Beckenboden, Nervenschäden oder ein verletzter Schließmuskel: Das alles kann eine Stuhlinkontinenz verursachen oder zumindest begünstigen. „Eine indirekte Schädigung ist bei der Prolapserkankung gegeben. Der Vorfall von Analkanal oder Enddarmanteilen dehnt den Schließmuskel chronisch auf, er verliert dadurch seine Verschlusskraft“ (Stuhlinkontinenz-Broschüre Seite 5).  Frauen trifft eine Darmschwäche häufiger als Männer.

Was tun? Von Rekonstruktion, Ventilen und Spülungen

Auch wenn es womöglich ein bisschen spät kommt, wenn Sie diesen Ratgeber-Text lesen, so sollte jeder Mensch – egal ob männlich oder weiblich – seinem Beckenboden bereits Beachtung schenken, bevor sich dieser durch seine Kraftlosigkeit bemerkbar macht. Das heißt: Präventives Training ist wichtig! Und zwar besonders nach Operationen und Geburten. Alle anderen Ursachen für eine Darmschwäche müssen individuell behandelt werden.  

Hat beispielsweise eine Nervenschädigung dazu geführt, dass jemand unkontrolliert Stuhl, Gase und Darmschleim verliert, so können die Stimulation mit einem Schwellstromgerät oder eine sakrale Nervenstimulation Besserung bringen. Bei Letzterer „…werden die intakten Endstrecken der Nerven, die zum Schließmuskel ziehen, mit einem Schrittmacher stimuliert, dies führt zur Kontinenz“ („Stuhlinkontinenz“-Broschüre, Seite 10). Dafür ist ein operativer Eingriff nötig. Ebenfalls einer Operation unterziehen müssen sich die Menschen, die eine Rekonstruktion ihres Schließmuskels benötigen. Dafür wird entweder ein Muskel aus dem Oberschenkel verwendet, oder „ein(…) mit Flüssigkeit gefüllte(s) bandförmige(s) Kissen“ („Stuhlinkontinenz“-Broschüre, Seite 13). Möchte der Patient oder die Patientin zur Toilette gehen, betätigt sie oder er ein unter die Haut verpflanztes Ventil, mit dessen Hilfe die Flüssigkeit aus dem künstlichen Sphinkter entweicht und so den Weg frei gibt.  

Bei angeborenen Fehlbildungen sind ebenfalls Operationen nötig, wohingegen eine durch Verstopfung ausgelöste Stuhlinkontinenz meist einfach dadurch behoben werden kann, dass die oder der Betroffene ausreichend trinkt und ballaststoffreich isst. Zudem können Darmspülungen Abhilfe schaffen. Sie stimulieren den Darm und können der Produktion dünnflüssigen Stuhls zuvorkommen, den der Körper einsetzt, um die Verstopfung zu lösen (sogenannter paradoxer Stuhlgang). Somit verhindern sie unfreiwillige Kot-Abgänge. Einigen Betroffenen kann auch ein Analtampon ein sorgenfreieres Leben bescheren. 

Generell wichtig

Ganz allgemein gilt: Gutes Inkontinenz-Material, wie Sie beispielsweise im Citycare24-Shop kaufen können, ist sowohl bei Darm- als auch bei Blasenschwäche das A & O. Damit können Sie mit Ihrer Inkontinenz nahezu sorgenfrei am Alltag teilnehmen und nachts ruhig schlafen. Wer ein paar Tipps für seine Suche nach dem richtigen Produkt benötigt, kann sich unser Interview mit Ulrike Podzus, einer Pflege-Expertin für Kontinenz, durchlesen oder unseren Produkt-Finder befragen.

Und: Sobald es bei Ihnen Anzeichen dafür gibt, dass Ihr Verhältnis zu Blase und Darm gestört ist, sollten Sie Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin unbedingt etwas davon erzählen! Denn nur dann kann sie oder er Sie behandeln oder an Spezialisten überweisen – an Medizinerinnen und Mediziner der Proktologie, Chirurgie, Neurologie, Geriatrie, Rehabilitation sowie zu Kontinenz- wie Beckenboden-Zentren.

Einigen generellen Informationen sowie den markierten Zitaten liegen folgende Quellen zugrunde:

  • Broschüre „Harn- und Stuhlinkontinenz (Blasen- und Darmschwäche)“ der Deutschen Kontinenz-Gesellschaft1, Ausgabe 02/2022, Frankfurt am Main.
  • Broschüre „Stuhlikontinenz“ der Deutschen Kontinenz-Gesellschaft1, Ausgabe 05/2014, Frankfurt am Main.
  • Ian Milsom et all, “Epidemiology of Urinary (UI) and Faecal (FI) Incontinence and Pelvic Organ Prolapse (POP)” von 2009 zitiert im Expertenstandard.
  • „Expertenstandard – Förderung der Harninkontinenz in der Pflege”, 1. Aktualisierung 2014, Herausgeber: Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP), Osnabrück.
  • Online-Pschyrembel: https://www.pschyrembel.de/Stuhlinkontinenz/K0LSN (Stand 19. Mai 2022).
1 Hinter der Deutschen Kontinenz-Gesellschaft verbergen sich auf Mitglieder-Basis Ärzte, Apotheker, Pflegepersonal und Physiotherapeuten. Gefördert wird der Verein von großen Unternehmen, die auf dem Gebiet Inkontinenz und damit zusammenhängenden Feldern wie Hilfsmitteln und Behandlung zu tun haben. Dazu gehören unter anderem Essity (Tena), Paul Hartmann, Attends, B. Braun, Coloplast sowie auch Hollister.

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Juliane Klug

Juliane Klug

Als Redakteurin liebt es Juliane, in immer neue Themen einzutauchen. Wenn sie anderen Menschen komplexe Dinge verständlich näherbringen kann, ist sie in ihrem Element. Seit dem Frühjahr 2022 sorgt Juliane im Marketing-Team von Citycare24 für Content.

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